Yoga Philosophie ist im Grunde das, was übrig bleibt, wenn man die Asanas weglässt. Klingt nach einer steilen These, ist aber ziemlich genau das, was den Unterschied macht zwischen einer Yogastunde, die sich gut anfühlt, und einer, die wirklich etwas verändert.
In diesem Beitrag
ToggleWarum Yoga Philosophie mehr ist als Zitate im Unterricht
Der Unterschied zwischen Wissen und gelebter Philosophie
Du kennst wahrscheinlich das Gefühl. Eine Lehrerin zitiert in der Schlussentspannung einen Satz aus der Bhagavad Gita. Klingt schön, fühlt sich aber irgendwie aufgesetzt an. Woran liegt das? Meistens daran, dass da zitiert wird, was gelernt, aber nie wirklich durchlebt wurde.
Echte Yoga Philosophie zeigt sich selten in klugen Sprüchen. Viel öfter darin, wie du selbst mit Schwierigkeiten umgehst, wie du reagierst, wenn eine Stunde schiefläuft, wie präsent du bleibst, wenn jemand in der Klasse plötzlich weint. Das lässt sich schlecht auswendig lernen. Das muss man sich erarbeiten.
Stell dir zwei Szenarien vor. Im ersten sagt eine Lehrerin am Ende der Stunde: „Das Leben ist ein Fluss, lass los, was dich beschwert.“ Nett gemeint, aber irgendwie leer, oder? Im zweiten erzählt eine andere Lehrerin kurz und ehrlich, wie sie selbst letzte Woche etwas loslassen musste, das ihr schwerfiel, ganz ohne großes Drama, nur als kleiner, echter Moment. Der zweite Satz bleibt hängen, einfach weil echte Erfahrung dahintersteckt.
Woran Schülerinnen merken, ob du philosophisch fundiert unterrichtest
Schülerinnen merken das übrigens fast immer, auch wenn sie es nicht benennen können. Es zeigt sich in kleinen Momenten. Ob du eine schwierige Frage nach dem Sinn des Lebens locker wegmoderierst oder wirklich stehen bleibst und mit ihr ringst. Ob deine Anweisungen aus einem Skript kommen oder aus echtem Verständnis. Ob du selbst noch neugierig bist, oder ob sich alles schon wie eine auswendig gelernte Choreografie anfühlt.
Genau da stößt reines Zitate-Sammeln irgendwann an eine Grenze. Es fehlt der Boden darunter.

Die Grundlagen, die jede Yogalehrerin kennen sollte
Yamas und Niyamas als Ausgangspunkt
Ein guter Startpunkt für die eigene Vertiefung sind die Yamas und Niyamas aus Patanjalis Yoga Sutra, die ethischen Grundpfeiler der klassischen Yoga-Philosophie:
- Ahimsa, Gewaltlosigkeit, auch dir selbst gegenüber
- Satya, Wahrhaftigkeit, auch wenn sie unbequem ist
- Santosha, Zufriedenheit mit dem, was gerade ist
- Tapas, die Disziplin, dranzubleiben, wenn es unangenehm wird
- Svadhyaya, das ehrliche Studium des eigenen Selbst
Fünf Begriffe, die sich leicht nachschlagen lassen. Wirklich verstehen tust du sie erst, wenn du sie an dir selbst durchprobierst.
Wie sich das im Alltag zeigt? Ahimsa bedeutet, niemandem wehzutun, dazu zählt auch, dich selbst nicht fertigzumachen, wenn eine Stunde mal nicht rund läuft. Satya zeigt sich, wenn du einer Schülerin ehrlich sagst, dass eine Haltung für ihren Körper heute nicht passt, auch wenn das im Moment unbequem ist. Genau in solchen Momenten wird Philosophie greifbar.
Warum reines Auswendiglernen nicht reicht
Du kannst alle acht Glieder des Ashtanga-Pfads auswendig aufsagen und trotzdem keine Ahnung haben, was Ahimsa in dem Moment bedeutet, in dem du selbst wütend wirst. Genau da trennt sich Wissen von Weisheit. Das eine lässt sich lesen. Das andere nur erfahren, meistens über Jahre, oft mit ein paar Umwegen.

Vertiefung bei Körpergefühl mit diesen Aus- und Weiterbildungen
Willst du diesen Weg strukturiert gehen, findest du bei Körpergefühl mit SELBSTLOS eine Ausbildung, die genau hier ansetzt, bei echter, gelebter Praxis. Wenn du außerdem gerade selbst spürst, dass dir die Verbindung zu deinem Unterricht fehlt, lohnt sich auch ein Blick in unseren Beitrag zur Sinnkrise als Yogalehrerin.
Einen Überblick über alle Ausbildungen und Fortbildungen.

Häufige Fragen zur Yoga Philosophie für Lehrende
Was ist Yoga Philosophie eigentlich? Die ethische und spirituelle Grundlage hinter den körperlichen Übungen, unter anderem festgehalten in Patanjalis Yoga Sutra, die erklärt, wie Yoga über die reine Asana-Praxis hinaus wirkt.
Muss ich als Yogalehrerin Sanskrit-Texte auswendig kennen? Nein. Wichtiger als Auswendiglernen ist, die Kernideen selbst durchlebt zu haben und aus echtem Verständnis heraus zu unterrichten.
Wie vertiefe ich meine Yoga Philosophie als Lehrerin? Durch eigene Praxis, Selbstreflexion und im besten Fall eine strukturierte Ausbildung, die Philosophie gemeinsam erfahrbar macht, über die reine Theorie hinaus.
Was sind die Yamas und Niyamas? Die ethischen Grundpfeiler des klassischen Yoga, fünf Yamas für den Umgang mit anderen und fünf Niyamas für den Umgang mit sich selbst, darunter Ahimsa, Satya und Santosha.
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