VIPASSANA – die Macht der Gedanken

Meine Erfahrungen aus 10 Tagen Stille im Wat Khao Tham Tempel

Koh Phangan, Thailand.

„Und warum tust du dir das an?“ – diese Frage meiner Mitmenschen hat mich bis in den Dschungel verfolgt. Vor der Reise war ich noch voller Zuversicht aber als ich nach vielen Stunden endlich im Kloster angekommen war, war ich wieder damit konfrontiert. Und zwar in meinen eigenen Gedanken mit einem riesengroßen, roten Fragezeichen! Warum tue ich mir das an? Warum opfere ich so viele Tage meines Jahresurlaubs dafür, mich durch so anstrengende Tage zu quälen? Was bringt mir das? Warum genieße ich nicht mein Leben an traumhaften Stränden?

Vorweg: Ja, ich habe tatsächlich die 10 Tage durchgehalten. Warum also habe ich mir das angetan? Ich weiß es nicht. Aus irgendeinem Grund habe ich eine Entscheidung getroffen und einen Flug gebucht, ich kann mich nicht erinnern und ich glaube, es gab keinen Auslöser. Wahrscheinlich wollte ich Antworten finden. Antworten auf meine Fragen des Lebens. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich keine Antworten gefunden habe. Nein, Vipassana beantwortet keine einzige Frage. Aber das macht nichts, denn am Ende gibt es keine Fragen mehr.

Ich möchte euch hier einen kleinen Einblick in das geben, was ich in den 10 Tagen im Wat Khao Tham erlebt habe. Der Beitrag hier ist lang und trotzdem gäbe es noch so viel mehr zu erzählen. Ich habe mich wirklich schon kurz gefasst und möchte euch jetzt, wenn ihr Lust habt, mit auf eine kleine Reise in den Dschungel und in die Welt meiner Gedanken nehmen.

Vipassana – Was ist das? Die Spielregeln kurz erklärt:

 

Vipassana bedeutet übersetzt „die Wahrheit erkennen“. Es ist ein stilles Meditationstraining. Ein klassisches Vipassana nach buddhistischer Tradition dauert 10 Tage. Während dieser Zeit folgt man einem strengen Tagesablauf an Meditationsübungen, um mehr über sich selbst und sein eigenes Innerstes zu erfahren. Man darf nicht Sprechen und muss außerdem 8 Regeln befolgen, um dem Geist jede mögliche Ablenkung zu nehmen.

  1. Kein lebendes Wesen töten.
  2. Nicht stehlen.
  3. Sich jeglicher sexueller Aktivität enthalten.
  4. Nicht lügen.
  5. Keine Rauschmittel irgendwelcher Art zu sich nehmen (einschließlich Tabak und Alkohol).
  6. Keine Nahrung nach 12 Uhr mittags zu sich nehmen.
  7. Auf alle sinnlichen Vergnügungen (wie Musik, Lesen, Tanzen, Singen), Körperschmuck und Kosmetik verzichten.
  8. Nicht in weichen oder luxuriösen Betten schlafen.

No men past here

Der erste Tag und die Ankunft im Tempel waren sehr aufregend, denn ich wusste überhaupt nicht, wie das Ganze abläuft, ob ich überhaupt einen Platz bekomme und was passieren wird. Eine Voranmeldung für das Vipassana ist nämlich nicht möglich. Ganz bewusst habe ich versucht, ohne Erwartungen an diesen Ort zu gehen. Aber natürlich war ich trotzdem vorbereitet und habe mir alle Informationen über den Ort und das Training gesucht, die ich vorab finden konnte. Deswegen war ich wenig überrascht, als ich nach meiner Anmeldung zu einem alles andere als bequemen Bett in einem dreckigen Zimmer gebracht wurde. Eigentlich war der erste Eindruck sogar fast positiv, da ich nicht erwartet hatte, überhaupt in einem eigenen Zimmer mit einer abschließbaren Türe zu schlafen. Naja, ganz alleine war ich nicht, denn ich habe mir die Unterkunft mit ein paar Geckos und diversen Krabbeltieren geteilt. Teil des Programms ist es, bewusst jede Art von Luxus abzugeben, damit man wirklich nichts mehr hat, was vom Hier und Jetzt ablenken könnte. Geduscht wurde mit einem Wasserschöpfer, welcher gleichzeitig auch als Toilettenspülung diente. Männer und Frauen waren während des gesamten Aufenthalts streng getrennt. Auch beim Essen und während der Meditation gab es getrennte Sitzplätze. In der Meditationshalle gab es sogar einen separaten Eingang für Frauen.

Am Anreisetag durften wir uns noch frei bewegen. Auch Sprechen war erlaubt und man konnte ein paar wenige Worte mit den anderen Teilnehmern wechseln.

Als es still wurde

Am Ende waren 24 Menschen aus allen Ecken der Welt dort versammelt, im Wat Khao Tham Meditation Center, mitten im Dschungel. Jeder hat irgendwie den Weg hierher gefunden und niemand wurde gefragt, warum er hier ist. 

Schon zu diesen Zeitpunkt war es sehr still. Außer uns anwesend: der Koch mit Namen „O“, Tokkata, die strenge, thailändische Managerin des Klosters, zwei wenig erzogene Hunde, einige Hühner und ein paar Affen. Es ist mir überhaupt nicht schwergefallen mich von der Außenwelt, meinem Handy und den Gesprächen mit der Gruppe zu verabschieden. Ich habe mich sogar richtig darauf gefreut. Denn wie schön ist es, wenn man in unserer Welt einfach mal still sein darf!?

Nachdem wir von Tokkata begrüßt wurden und eine kleine Geschichte über die Entstehung des Ortes gehört haben, hat „O“ uns über das ganze Gelände geführt. Es wurden uns vor allem die Orte gezeigt, an denen wir uns besser NICHT aufhalten sollten (vor allem in der Nacht), wenn wir nicht irgendwelchen Schlangen oder Skorpionen zum Opfer fallen wollten. Außerdem wurden die Regeln erläutert. Es war einfach:

Sprich nicht, außer dein Lehrer fragt dich etwas. Erledige deine Aufgaben, wie es der Plan vorsieht. Wenn du eine Glocke hörst, ist es entweder Zeit aufzustehen, zu essen oder zur Meditation zu gehen. Geschlafen wird dann, wenn der Tag zu Ende ist und nicht etwa während der Meditation.

Hello my good friends

Der erste Tag war wirklich hart. Und für mich hat er schon nicht ganz optimal angefangen. Ich musste nämlich feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, sich ohne Uhr im Dschungel zu orientieren. Ein Detail, an das ich bei meiner Vorbereitung überhaupt nicht gedacht hatte! Ein Tagesplan war zwar ausgehängt, aber woher weiß man, wann es Zeit ist zu gehen? „Du wirst die Glocke hören“ hat man mir gesagt. Ok. Das hat leider nicht so gut geklappt, denn am ersten Morgen hat mich nicht die Glocke um 4 Uhr morgens geweckt, sondern es waren die ersten Sonnenstrahlen. Und zwar um kurz vor 7 Uhr. Das durfte ich feststellen, nachdem ich panisch zum Essenssaal gelaufen war (dort hing eine von zwei Uhren, die andere hing in der Meditationshalle).

Zum Glück ging es nicht nur mir so und wie sich herausstellte, hatten fast alle Damen die ersten Meditationen verschlafen, da die Glocke nicht richtig laut geläutet wurde (das war natürlich die Aufgabe der Männer, haha). Somit war es kein Problem, dass wir alle unseren ersten Tag mit dem Frühstück begonnen haben. Das Essen war wirklich lecker. Es gab traditionell thailändische Küche und alles war sehr frisch und abwechslungsreich. Damit man seine Gedanken an den langen Tagen aber nicht auf das Essen fixiert, gab es bewusst nur um 7 und um 11 Uhr jeweils eine Mahlzeit. Wir wurden streng angehalten, wirklich bewusst zu essen und immer nur so viel zu nehmen, bis der Hunger gestillt war. Denn der Geist lässt sich einfacher kontrollieren, wenn er nicht zu viel Energie zugeführt bekommt, so die Theorie. Es war wirklich eine super Erfahrung, mit so viel Achtsamkeit zu essen und auch faszinierend wahrzunehmen, dass der Körper wirklich nach einer geringen Menge schon satt ist. Ich war ja der Meinung, schon vorher immer achtsam gegessen zu haben. Aber das war kein Vergleich! Und es ist so ein tolles Gefühl, dass ich jetzt immer noch fest entschlossen bin, es wirklich so gut es geht in meinem Alltag beizubehalten.

Dann ist der Moment endlich da, auf den die meisten von uns gewartet hatten. Ein grimmig blickender Mönch sitzt vorne in der Meditationshalle. Als wir die Halle betreten, sagt er kein Wort. „Puh, der sieht streng aus.“ war mein erster Gedanke. Alle blicken gespannt nach vorne. Und plötzlich ändert sich der Gesichtsausdruck des Mönchs zu einem strahlenden und ehrlichen Lachen! „Hello my good friends. I love you all.“ – das waren Dr. Maruts erste Worte. Und ich hatte direkt das Gefühl: Ja, ich bin hier richtig.

Silent ghosts

Von da an gab es nichts mehr zu tun, als dem Tagesablauf zu folgen. Das mit der Glocke hat ab Tag 2 wirklich gut funktioniert. Mit dem ersten Glockenschlag war ich um 4 Uhr morgens hellwach. Das Aufstehen war gar nicht so schlimm, denn die Morgenmeditation war mir die liebste Zeit am Tag. Irgendwie magisch, der laute Klang der großen Glocke, der durch die Dunkelheit und Stille hallt. Waschen, anziehen, mit der Taschenlampe den schmalen Weg durch die Büsche, die Treppe hoch zur Meditationshalle. Der Blick auf den Boden gerichtet, immer auf der Hut vor Skorpionen und Schlangen. Durch die Glastür, im Schneidersitz auf dem dunkelroten Kissen Platz nehmen. Draußen die Natur, durch die offenen Fenster dringen die Geräusche des Dschungels. Drinnen leuchtet nur das Licht, das den Platz beleuchtet, an dem der Mönch sitzt. Der Gong einer Klangschale lässt die erste Meditation des Tages beginnen.

„4:30 am, time for your sitting meditation. It’s the best time for meditation practice. It is the time, when Lord Buddha got enlightened.“

Der Tagesablauf

4:00 Wake-up-bell – 4:30 Sitting meditation – 5:15 Yoga – 6:15 Sitting meditation – 7:00 Breakfast & work – 8:30 Meditation instructions – 9:30 Walking meditation – 10:15 Sitting meditation – 11:00 Lunch / Open Awareness – 13:00 Sitting meditation – 13:45 Walking meditation – 14:30 Dhamma teaching – 15:30 Walking meditation – 16:15 Sitting meditation – 17:00 Drinks / bathing – 18:30 Chanting / Metta – 19:30 Walking Meditation – 20:15 Sitting Meditation – 21:00 Sleep

Meditationshocker - eine tolle Erfindung.

Nach den immer gleichen Worten folgte der immer gleiche Ablauf. Sitting Meditation, Walking Meditation, Sitting Meditation, Walking Meditation,… nach dem Frühstück musste jeder seine zugeteilte Aufgabe erledigen. Meine Aufgabe war es, die Blätter auf dem sandigen Boden des Meditationsgartens zu harken. Was für eine schöne Aufgabe! Es war für mich jeden Tag wie eine weitere kleine Meditation. Ein Mädchen aus Spanien teilte die Aufgabe mit mir. Über sie weiß ich nichts, außer ihren Namen, weil der Mönch ihn zu Beginn vorgelesen hatte. Ohne ein einziges Wort waren wir nach dem ersten Tag schon ein eingespieltes Team. Verrückt, wie ein Lächeln ohne Worte sich in so einer Situation wie eine lange Freundschaft anfühlen kann. Ich konnte nie ein Wort mit ihr wechseln, denn sie ist abgereist, noch bevor die Stille gebrochen wurde.

Die Gehmeditationen waren eine willkommene Abwechslung zu dem vielen Sitzen, welches sich als anstrengender als gedacht herausstellte. Ein kleiner Meditationshocker aus Holz wurde mein bester Freund. Rein spirituell und geistig haben mich die Gehmeditationen mehr gefordert als die Übungen im Sitzen. Es ist so schwierig sich zu konzentrieren und die Gedanken nicht abschweifen zu lassen, wenn man in der Natur über den Sand läuft, vorbei an Pflanzen, Blüten und den schönen Bildern auf den Wänden des Tempels. Ab und zu treffen sich die Blicke, wenn ein anderer Teilnehmer den eigenen Weg kreuzt. Meistens habe ich mich zu Beginn auf die Praxis konzentriert und meinem Geist den Rest der Zeit dann einfach auch mal eine Pause erlaubt, und die Gedanken schweifen lassen. Wie frei sich das angefühlt hat! Viele Stunden bin ich mit den anderen Schweigenden über das sandige Gelände gewandert. Ich habe wohl jedes Blatt, jeden Stein und jede Blume dort betrachtet. Wir waren wie stille Geister, die langsam über den Boden schweben, den Blick auf die Füße gerichtet. Manchmal kamen Touristen vorbei aber niemand sprach uns an. Manche machten Fotos, manche waren sichtlich verunsichert, ob sie einfach vorbeilaufen sollten. Ich habe versucht sie zu ignorieren.

Die Stille fand ich von Anfang an einfach wunderbar. Niemanden ansprechen zu müssen, einfach stillschweigen und sich trotzdem nicht komisch fühlen zu müssen. Niemand erwartet ein „Hallo“, niemand erwartet eine Antwort. Wenn doch jemand eine Frage stellt, darf man einfach wegblicken und sie ignorieren. Ich wüsste nicht, an welchem anderen Ort der Welt das überhaupt möglich ist! Eine unglaublich angenehme Erfahrung. Und man hat auch nicht das Bedürfnis, mit jemandem sprechen zu wollen. Denn es gibt absolut nichts zu sagen.

Hier sind wir Stunde um Stunde herumgewandert, mit einem wunderbaren Blick in den Dschungel.

Willenskraft und Disziplin

Mir war von Anfang an klar, dass es für mich die größte Herausforderung sein wird, einfach den ganzen Tag nichts „Sinnvolles“ zu tun. Einfach da zu sein, im Hier und Jetzt. Klar, man meditiert und das ist ja auch eine Beschäftigung. Aber ich bin ein sehr aktiver Mensch und die Ruhe, die langen, eintönigen Tage…das schien mir, wie erwartet, am Ende von Tag 1 einfach unerträglich. Meine Gedanken wollten einfach keine Ruhe geben und ich wäre am liebsten von dort weggelaufen. Warum bin ich hier, wenn ich die Tage auch mit so vielen schöneren Dingen auf meiner liebsten Insel verbringen könnte? Bringt mir das hier wirklich etwas? Das Sitzen, das sinnlose durch die Gegend Wandern? Ich wollte wirklich einfach nur weg. Noch 9 Tage, wie soll ich das nur jeden Tag von 4 Uhr bis 21 Uhr durchstehen? Unerträglich.

Warum bin ich geblieben? Weil der Mönch etwas gesagt hat, das mir dabei geholfen hat. Jeden Nachmittag hat er eine Stunde lang zu uns gesprochen. Über Philosophie, Meditation, das Leben…und in der ersten Sitzung hat er uns erzählt, wie wir unser Verhalten kontrollieren können, indem wir unsere Gedanken analysieren. Und das hat mir so sehr geholfen. Von da an habe ich mir immer und immer wieder nur eine Frage gestellt: Warum will ich gehen? Will ich gehen, weil ich (also mein wahres „Ich“) wirklich hier wegwill? Oder sind es „niedere“ Gründe, die mich unruhig machen? Wie zum Beispiel die Lust auf gutes Essen, das Bedürfnis nach Entertainment, das Gefühl etwas zu verpassen? Und letztlich waren es genau solche Gründe, die ich in meinen Gedanken gefunden habe. Also habe ich mir nach und nach versucht beizubringen, meine Gedanken erst zu analysieren, die Emotionen und Gefühle wahrzunehmen, sie zu bestimmen und erst dann zu handeln. Eine Methode, die mir bis heute das Leben total erleichtert. So vieles über mich selbst sehe ich dadurch nun viel klarer als vorher. Und ich hoffe, dass ich das noch viel mehr verinnerlichen kann. Diese Methode ist schon jetzt ein wahnsinnig hilfreiches Werkzeug in meinem Alltag geworden.  

Es ist, wie der Mönch sagt. Jeder ist in der Lage seine Gedanken und damit sein Leben zu kontrollieren. Aber es geht nicht von jetzt auf gleich. Es braucht Übung und vor allem zwei Dinge: Willenskraft und Disziplin.

Kraft der Gedanken

Bis zum dritten oder vierten Tag habe ich wirklich mit mir selbst gekämpft. Was mich vom Wegrennen abgehalten hat, waren vor allem auch die täglichen Inspirationen. Dr. Marut, der übrigens vor seinem Leben als Mönch als Professor an diversen Universitäten unterrichtet hat, hat einfach die wunderbarsten Geschichten erzählt. Jeden Morgen hat er uns Anweisungen zur Meditationspraxis gegeben.

Und dann ist etwas passiert, was mich endgültig überzeugt hat zu bleiben. Es war an einem Nachmittag, in der Meditation nach der Mittagspause. Ohne große Erwartungen habe ich auf meinem Meditationshocker Platz genommen und bin die Schritte in die Meditation durchgegangen, wie sie uns beigebracht wurden. Die Atmung, die Visualisierung, der Fokus. Als ich die Augen wieder öffnete, konnte ich es kaum glauben! Eine ganze Stunde war vergangen. Was ich während dieser Meditation gespürt habe, lässt sich schwer beschreiben, denn es gibt keine Worte für diesen Zustand. Aber ich will es versuchen: Ich habe alles um mich wahrgenommen, aber trotzdem war mein Geist im inneren komplett fokussiert und das Äußere war zwar da, aber irgendwie ausgeblendet. Ich wusste die ganze Zeit, dass ich meditiere. Mein Körper saß aufrecht und ich konnte ihn wahrnehmen aber ich habe ihn trotzdem nicht gespürt. So ähnlich wie Schweben. Im Geist war einfach nichts, Leere, kein Gedanke und gleichzeitig unendliche Ruhe. Das Gefühl von Ruhe beschreibt es nicht wirklich, denn das hatte ich auch schon vorher in Meditationen. Aber das war diesmal anders. Und es war wunderbar. So wunderbar, dass ich mich von da an auf jede einzelne Meditation gefreut habe. Jetzt verstehe ich endlich, wieso man gerne meditiert. Weil man sich nicht dazu zwingen muss, sondern weil man es einfach will! Es gibt einem eine Befriedigung wie gutes Essen. Es ersetzt jede Form von Entertainment. Es ist alles in einem: Glück, Zufriedenheit und Freude. 

Das war der einzige Moment, in dem ich so gerne sprechen wollte. Ich hatte so ein starkes Bedürfnis, jemandem von diesem Erlebnis zu erzählen!

Illusionen des Geistes

Am Abend des letzten Tages wurde offiziell die Stille gebrochen. Alle saßen in einem Kreis und jeder durfte sich vorstellen. Wer bin ich, wo komme ich her, warum bin ich hier. Auch einer der Momente, die mir am meisten in Erinnerung bleiben werden. Denn es hat nur noch einmal gezeigt, dass wir alle unsere eigene Realität der Welt erschaffen und ALLES um uns herum nur ein Gebilde unserer Gedanken ist. Und die eigenen Gedanken spiegeln oft eben NICHT die Realität wider. 

Das Ende der Stille:

24 Menschen (gut, am Ende waren es ein paar weniger) sitzen in einem Kreis. Du hast das Gefühl jeden zu kennen, aber du kennst in Wahrheit niemanden. Da ist das russische Pärchen, das du nicht leiden kannst, weil sie sich nicht richtig an die Regeln halten und heimlich in der Gehmeditation miteinander geflüstert haben. Da sind die drei chinesischen Mädchen, die am frühen Morgen nie anwesend waren und das ganze anscheinend auch nicht so ernst nehmen. Da ist das arrogante, kolumbianische Mädchen, das immer so böse guckt. 

Und am Ende war es doch alles nur eine Illusion: Da ist das russische Pärchen, das heimlich redet, weil das Mädchen kein Englisch spricht und eine Übersetzung der Worte des Mönches braucht. Da sind die armen chinesischen Mädchen, die nicht freiwillig hier sind, sondern gestrandet, weil sie wegen eines Virus nicht mehr nach Hause fliegen dürfen. Und da ist das kolumbianische Mädchen, das während der Vorstellung in Tränen ausbricht, weil sie so glücklich ist, nach einer schweren psychischen Krankheit endlich wieder zur Meditation gefunden zu haben. Und dann bin da ich. Bin ich das wirklich oder ist meine Vorstellung von mir selbst auch nur eine weitere Illusion meiner Gedanken? Verrückte Welt.

Happiness inside

Wie unbeschreiblich toll, dass ich das erleben durfte. Und noch viel toller, dass ich nun weiß, dass da wirklich etwas ist, das man einfach im täglichen Leben üben kann. Dass es wirklich möglich ist, NICHT durch die Dinge um mich herum glücklich zu sein, sondern dass das Glück in mir selbst ist. Diese Erkenntnis gibt mir eine ganz neue Sicherheit in meinem Leben. Eine Sicherheit, die sich wie Freiheit anfühlt.

Ich bin jemand, der nichts glaubt, bevor er es nicht selbst erfahren hat. Und der Mönch hat es am Ende mit den Worten Buddhas so treffend gesagt: Glaubt mir nicht, denn ich kann euch nur von meinen Erlebnissen erzählen. Die Erfahrungen müsst ihr selbst sammeln.

Am Ende haben wir alle noch eine weitere Nacht im Wat Khao Tham Tempel verbracht. Wir sind gemeinsam ins Dorf am Fuß des Berges gelaufen, haben einen Kaffee getrunken und den Nachmittag in einer kleinen Saunaanlage verbracht. Danach haben wir uns ein letztes Mal den Sonnenuntergang vom Aussichtspunkt des Tempels angesehen und am Morgen ist jeder seines Weges gegangen.

Mein Fazit zum Schluss. Würde ich das nochmal machen? Sicherlich nicht allzu bald, denn es war unglaublich anstrengend. Aber es war definitiv eines der besten Dinge, für die ich mich je entschieden habe. Und ich bin unglaublich dankbar, dass ich so eine Erfahrung in meinem Leben machen durfte. Dass ein so weiser Mann mit seinen 73 Jahren so viel Wissen mit mir geteilt hat.  Und dass ich hier darüber schreiben kann und ihr das vielleicht sogar bis hierher gelesen habt. 🙂

Silence is golden. Aber es gibt Dinge, die muss man einfach erzählen!

Wenn dir dieser Bericht gefallen hat, lass mir doch bitte einen Kommentar da! Ich freue mich über Nachrichten. 

5+

1 Gedanke zu „VIPASSANA – die Macht der Gedanken“

  1. Das war lang…aber wirklich sehr sehr lesenswert..hat mir super gut verfallen dein Bericht.

    Übrigens bin ich auf dich bzw deine Homepage über die sozialen Medien aufmerksam geworden da du die gleiche Logo Farbe wie ich benutzt bei meinem “komm runter“ Auftritt.

    So findet sich immer was was irgendwie zusammen passen soll. Spannend. Liebe s Gruppe aus Hamburg von

    Martin

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.