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Bandscheibenvorfall! Kann ich Yoga machen?

    Wohl eine der häufigsten Fragen, die ich als Yogalehrerin gestellt bekomme.

    "Ich bewege mich viel und bekomme deswegen bestimmt keinen Bandscheibenvorfall."

    Wusstest du, dass ein Bandscheibenvorfall jeden treffen kann? Schmerz entsteht nicht immer dort, wo er wahrgenommen wird. Ein großer Anteil aller Rückenbeschwerden ist auf psychische Ursachen wie Stress zurückzuführen. Das trifft immer häufiger auch junge und gesunde Menschen. Oft bleibt ein Bandscheibenvorfall sogar lange unerkannt! 

    Akuter Bandscheibenvorfall – das hört sich erstmal schlimm an und die meisten Leute, die nicht davon betroffen sind, wissen eigentlich gar nicht so viel darüber. Jeder kennt den Begriff, aber könntest du beschreiben, was ein Bandscheibenvorfall genau ist?

    Ein Bandscheibenvorfall ist eine Verlagerung von Bandscheibengewebe. Der Druck auf das Bandscheibengewebe wird irgendwann zu groß und die Wirbel werden derart aufeinander gedrückt, dass die dazwischen liegenden Bandscheiben die einwirkende Kraft nicht mehr abfangen können. Das Bandscheibengewebe tritt dann aus der Hülle aus und in den sogenannten Spinalkanal ein, der das Rückenmark umgibt. Dort kann es  auf die Nervenwurzeln drücken, was starke Schmerzen auslösen kann. 

    Wie kann das passieren und wer bekommt einen Bandscheibenvorfall?

    Es gibt verschieden Ursachen:

    • altersbedingte Degenerationen (altersbedingte Austrocknung und nachlassende Elastizität)
    • wenig Bewegung und schlechte Haltung bzw. einseitige Haltung (z.B. langes Sitzen)
    • ständiges Heben und falsches Heben von Lasten
    • psychische Belastungen
    • Übergewicht

    Fakt ist, einen Bandscheibenvorfall bekommen nicht nur ältere oder übergewichtige Menschen. Es kann jeden von uns treffen und die Zahl der Bandscheibenvorfälle durch psychische Belastung ist enorm gestiegen! Druck auf die Wirbelsäule kann nämlich nicht nur durch schlechte Haltung oder Übergewicht entstehen. Wenn wir emotionale Belastungen mit uns herumtragen, hat das auch körperliche Folgen. Muskeln können sich verkrampfen und der Druck auf die Wirbelsäule steigt. Die Diagnose „akuter Bandscheibenvorfall“ kann also auch junge und sportliche Menschen treffen. Ich selbst habe viele sehr junge Kunden, die mit Bandscheibenvorfall oder anderen Rückenproblemen zu mir kommen. Ein akuter Bandscheibenvorfall kann auch lange unentdeckt sein, denn nicht immer verursacht er Schmerzen. Es kommt ganz darauf an, worauf das ausgetretene Bandscheibengewebe drückt. Trifft es direkt auf einen Nerv, ist das sehr schmerzhaft. Tritt es aber zufällig in einen Hohlraum aus, wird der Patient es möglicherweise gar nicht spüren, obwohl die Diagnose vom Arzt „akuter Bandscheibenvorfall“ lauten würde.

    Die Wirbelsäule als Zentrum des Lebens

    Die Wirbelsäule spielt im Yoga eine zentrale Rolle und ein Ziel der Yogapraxis ist es, sie gesund, stabil und vor allem beweglich (!) zu halten. Sie hat enormen Einfluss, nicht nur auf unser körperliches, sondern auch energetisches und psychisches Wohlbefinden: Wenn sie steif ist wie ein Brett, kann auch keine Energie fließen. Im Körper gibt es tausende Energiepunkte und die Wirbelsäule ist das Zentrum aller Bewegung und des Energieflusses. Die Körperhaltung hat große Auswirkungen auf unsere Psyche, das ist sogar wissenschaftlich bewiesen. Wer immer in einer gebückten Haltung läuft, hat weniger Raum in seinem Brustkorb um tief zu atmen. Das verringert die Sauerstoffsättigung im Gehirn und somit sinkt die Konzentrationsfähigkeit. Ein Grund, warum gerade Yogis im höheren Alter noch so fit zu sein scheinen, ist ihre bewegliche und gekräftigte Wirbelsäule. Und an dieser Stelle möchte ich nochmal erwähnen: Es ist NIE zu spät mit Yoga anzufangen…und wenn du nicht beweglich bist, dann erst recht! Denn Yoga praktizierst du, um etwas zu werden und nicht um etwas zu sein.

    Move it! Bandscheibenvorfall und Yoga

    Wenn du einen Bandscheibenvorfall hast oder hattest, solltest du unbedingt mit deinem Arzt sprechen, bevor du zur Yogastunde gehst. Dein Yogalehrer muss in jedem Fall wissen, was für einen Bandscheibenvorfall du genau hattest. Die aller häufigsten Bandscheibenvorfälle treten im Lendenwirbelbereich auf. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule sind um einiges seltener. Bitte beachte, dass die Übungen, die ich hier aufzähle, von diesem gängigen Fall ausgehen und trotzdem nicht für jeden Übenden gleichermaßen geeignet sind.

    I BEND SO I DON’T BREAK

    Keine Angst vor Rückbeugen

    Natürlich sollst du dich nicht krass verrenken aber leichte bis mittel-intensive Rückbeugen sind gute Übungen, um die Muskulatur im Bereich der Lendenwirbelsäule zu stärken und die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu trainieren. Viele Menschen haben großen Respekt vor Rückbeugen, weil die Bewegung so ungewohnt ist und sich vielleicht erstmal komisch anfühlt. Dabei haben Rückbeugen haben einen so positiven Einfluss auf den Körper!

    Tatsächlich sollten nach einem Bandscheibenvorfall eher Rück- als Vorbeugen praktiziert werden, die Yogapraxis muss dennoch immer in einem ausgeglichenen Verhältnis stattfinden. Wer seine Rückenmuskulatur stärkt, muss auch den Bauch trainieren, um eine gute Haltung zu erlangen. Eher gemieden werden sollten Haltungen, die eine Belastung für die Halswirbelsäule und den Kopf hervorrufen. Besser also kein Kopfstand, Schulterstand oder Pflug. Fisch und Heuschrecke sind auch nicht ideal. Dagegen gibt es einige gute Übungen, welche die Halsmuskulatur kräftigen (zu diesen Übungen wird es einen separaten Beitrag geben).

    FACTS ABOUT:

    RÜCKBEUGEN: FITTER, GESÜNDER, POSITIVER

    Bessere Atmung: Die Brustwirbelsäule wird nach hinten gestreckt, der Brustkorb dadurch geweitet, der Lungen und Herzbereich gedehnt. Die neu gewonnene Weite sorgt für eine bessere Atmung.

    Bessere Konzentration: Durch die verbesserte Atmung steigt die Sauerstoffsättigung im Gehirn und die Konzentrationsfähigkeit erhöht sich.

    Mehr Muskeln: Die Rückenmuskulatur wird gestärkt, die Muskeln der Vorderseite werden gedehnt (Brust- und Bauchmuskeln, Zwischenrippenmuskeln, Leisten und vordere Oberschenkelmuskulatur).

    Mehr Flexibilität: Die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule wird gefördert.

    Bessere Verdauung: Das Verdauungssystem wird gestreckt, das wirkt gegen Beschwerden wie Sodbrennen oder Verdauungsprobleme.

    Bessere Haltung: Fehlstellungen wie einem Buckel oder verkrümmtem Nacken – heute nennt man das „Smartphone Höcker“ 😉 – können mit regelmäßigen Rückbeugen korrigiert werden.

    Bessere Laune: Die „Offenheit“ im Brustkorb wirkt sich auch positiv auf Psyche und Emotionen aus. Viele Rückbeugen gehören zu den „Herz-öffnenden“ Posen und durch das Praktizieren entsteht eine gewisse Weite im Bereich des Brustkorbs. Nicht nur körperliche, sondern auch mentale Verhärtungen in diesem Bereich werden gelöst und das hat einen positiven Effekt auf das Gemüt. Rückbeugen sind vor allem in stressigen oder besonders traurigen Situationen ein guter Ausgleich.

     

    Fazit

    Wenn von ärztlicher Seite nichts dagegen spricht, kannst du nach einem Bandscheibenvorfall Yoga praktizieren, solange du die Grenzen deines Körpers wahrnimmst und wahrst. Dann kannst du die positiven Effekte für deine Heilung nutzen. Wer schon regelmäßig Yoga praktiziert, senkt sein Risiko einen Bandscheibenvorfall zu erleiden enorm! Denn Yoga hält die Wirbelsäule, das Zentrum der Beweglichkeit, flexibel und geschmeidig. 

    2 Gedanken zu „Bandscheibenvorfall! Kann ich Yoga machen?“

    1. Ich habe im letzten Jahr nach meinem Bandscheibenvorfall angefangen Yoga zu praktizieren. Mir hat unter anderen Therapien die Akupunktur auch viel geholfen. Meine Behandlung ging einige Monate und dann entschloss ich mich dafür, langsam wieder meinen Körper zu bewegen. Die Rückenbeugen sind wirklich etwas sehr gutes, da kann ich nur zustimmen. Flexibilität und eine bessere Atmung sind bei mir sichtbar geworden und die Verdauung hat sich auch gebessert. Am Anfang hatte ich viel Angst wieder starke schmerzen zu bekommen aber dann ging es langsam wieder und heute fühle ich mich sicherer! Danke für diese Tipps!

    2. Pingback: Rückbeugen im Yoga verstehen

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