Zum Inhalt springen

Das Ego in der Yogaphilosophie

    dein Ego

    Wer bist du, wenn du nicht dein Ego bist?

    Eines der größten Hindernisse im Leben und auf den Pfaden des Yoga ist unser Ego und es ist wohl die schwierigste aller Herausforderungen, das Ego loszulassen. Aber was ist dein Ego eigentlich? Zu oft wird es in der Yogapraxis als sehr negativ dargestellt, aber eigentlich brauchen wir es mehr als uns bewusst ist. Freud beschreibt das Ego als den bewussten Verstand. Es ist das Bewusstsein in uns, dass wir ein Wesen mit einer Identität sind, welches die Realität lebt, in der wir uns gerade jetzt in diesem Moment befinden. Und genau deswegen brauchen wir das Ego, wenn wir in dieser Realität unser Leben leben möchten. Wir können in einer Gesellschaft nicht existieren ohne das Ego und wir können nichts wahrnehmen, was wir Leben nennen. Alle Erfahrungen des Lebens machen wir mit unserem Körper, den Sinnen, den Gedanken und Gefühlen und all das ist unser Ego. Ohne es können wir keine einzige Erfahrung machen.

    Ego ja, Anheftung besser nicht.

    Das Ego selbst ist nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass wir uns so sehr mit ihm identifizieren, dass wir vergessen, wer wir wirklich sind. Im Laufe des Lebens verlieren wir uns dabei immer mehr. Denn Ego ist ein Teil von uns, aber nicht, wer wir wirklich sind. Als Yogi weiß man das, aber sind wir uns dessen wirklich so richtig bewusst? Manchmal ja, manchmal wohl eher nicht. Es ist nicht immer leicht die Grenzen zu erkennen, wo das Ego aufhört und an welchem Punkt das wahre Selbst beginnt, denn loslassen ist schmerzhaft und sich anzuheften ist manchmal so viel schöner. Warum also überhaupt etwas gehen lassen?

    Warum es sich lohnt, das Ego immer wieder loszulassen.

    Muss ich das Ego überhaupt loslassen? Kann ich nicht einfach so weitermachen, wenn ich mir darüber bewusst bin, ein Ego zu haben? – Sicher. Es ist nicht notwendig, das Ego gehen zu lassen und die Mehrheit der Menschen hat kein Interesse daran, sich überhaupt damit zu befassen. Nicht jeder muss den Weg der Selbsterkenntnis gehen. Ein Lehrer hat mir einmal erklärt, dass er es so verstehe, dass nicht jede Seele zu jeder Zeit jede Erfahrung machen müsse. Junge Seelen sind vielleicht vollkommen ok mit einer körperlichen Erfahrung und leben absolut glücklich. Ältere Seelen hingehen würden mehr Fragen stellen und sich nicht mehr für die oberflächlichen Schichten interessiere, deshalb seien sie nicht glücklich, wenn sie nicht auf der Suche sind. Ich finde diese Erklärung sehr hilfreich. Man ist kein besserer Mensch, wenn man das Ego überkommt, aber das Problem mit dem Ego ist, dass es sehr viel Grenzen hat, es limitiert uns in dem, was wir eigentlich sein könnten. Niemand von uns lebt sein volles Potenzial, nicht mal annähernd. Stell dir nur mal vor, was alles möglich wäre, wenn du nicht mehr sein müsstest, wer du bist? Wenn du alles sein könntest, was du jemals sein wolltest? Das ist absolut möglich!

    Du bist nicht dieser Körper, du bist nicht dieses Leben.

    Sondern du bist die Seele im Inneren und damit absolut grenzenlos und unendlich mächtig. In der Yogaphilosophie unterteilt sich das Universum in Prakriti, alles Manifestierte, und Purusha, das Göttliche, wobei ich diesen Begriff im Deutschen nicht so mag, denn wir verbinden damit meist etwas Religiöses. Du kannst es dir so vorstellen: Prakriti ist alles, was mit dem Ego verbunden ist, alle Kreationen deiner Realität und was du vielleicht als „dich selbst“ bezeichnest: Der Körper, die Sinne und was sie aufnehmen, alle Gedanken, die Elemente und die gesamte materielle Welt. Purusha hingegen ist unsichtbar und unendlich, wie das Universum selbst, die Energie oder die höhere Macht, die alles leitet, über Zeit und Raum dieser von unserem Ego geschaffenen Realität hinaus. Klingt abgehoben? Ist es nicht. Sicher glaubst du an irgendetwas, vielleicht gibst du dem nur einen anderen Namen. Und genau diese Identifikation deines Selbst mit Praktiri, also mit deiner von dir geschaffenen Realität, nennen wir im Yoga Ahamkara, was so viel bedeutet wie die Ich-Identifikation, also das Ego.

    Das Ego loslassen

    Wenn du das wirklich verstanden hast, dann wird es immer einfacher werden, das Ego loszulassen. Du kannst dir dazu einfach immer wieder bewusst werden, was du nicht bist und irgendwann wirst du immer mehr ein Gefühl dafür bekommen, was du wirklich bist. Du wirst oft an Grenzen stoßen, denn wenn das Ego zufrieden ist, fühlen wir uns gut. Erfüllen wir nicht seine Bedürfnisse, fühlt sich das schmerzhaft an und deswegen kostet es schon einiges an Überwindung. Fang am besten mit kleinsten Situationen an! Zum Beispiel in deinem Alltag mit Partner oder Familie. Wo handelst du, um dein Ego zu befriedigen und wann könntest du vielleicht darüber hinauswachsen und in einem anderen Muster handeln, als es dein Ego gelernt hat? Lerne dein Ego kennen, nur dann kannst du es überwinden. Wir können nichts verändern, was wir nicht genau begreifen. Die Fähigkeit, das Ego in gewissen Situtationen loszulassen, wird dir so viel mehr geben als du je geglaubt hast, haben zu können. Du kannst dadurch zufriedener sein, glücklicher, erfolgreicher, selbstbewusster, zuversichtlicher, lebendigere und tiefere Beziehungen führen und vielleicht dein ganzes Leben verändern.

    Hat dir dieser Beitrag geholfen? Ich freue mich über Austausch oder auch Fragen zum Thema in den Kommentaren. Danke, dass du bis hierher gelesen hast!

    Dich interessiert Bewusstseinsarbeit? Dann lies gerne meine Beiträge über Yoga Nidra, eine spannende Technik mit dem Unterbewusstsein zu arbeiten.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.